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Dieser Artikel wurde ursprünglich von Wirtschaftsblatt am 22.07.2015 veröffentlicht.
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Dank Herdentrieb zum Neuwagen

WIEN. Diesen Traum hatten der Banker und der Jurist schon in ihrer Studienzeit. "Wir wollten die Hamsterrad-Laufbahn verlassen",sagt der 32-jährige Karl-Michael Molzer, bis vor Kurzem noch bei einer US-Investmentbank in Frankfurt tätig. Der zwei Jahre ältere Dejan Stojanovic, kürzlich noch Konzipient in einer Wiener Anwaltskanzlei, ergänzt: "Und etwas Eigenes aufbauen." Im vergangenen April war es so weit: Mit Crowd-o-moto, einer Onlineplattform für Neuwagenkauf, wagten sie den Sprung in die freie Wildbahn der Selbstständigkeit.

Neuwagen für Millennials

Nach zahlreichen Gesprächen mit Händlern, Befragungen von Kaufinteressierten und einer gemeinsam mit der Wirtschaftsuniversität Wien erarbeiteten Marktanalyse stellten die beiden Jungunternehmer fest: Zwischen dem klassischen Autoverkäufer und der neuen Generation von Kunden hat sich eine große Kluft entwickelt.

"Die Millennials sind es leid, ins Autohaus zu gehen und dort um den Preis zu feilschen", sagt Molzer: "Die neue Kundengruppe muss anders angesprochen werden." Doch sie wollen niemanden bevorzugen, betonen die Firmengründer. Auch nicht die Millennials-jene Konsumenten, die wie sie selbst zwischen 1980 und den frühen 2000er-Jahren geboren sind: "Wir wollen Händler und Käufer zusammenbringen und dabei beide Seiten bestmöglich bedienen." Crowd-o-moto ist eine Vermittlungsplattform, die in Zeiten dominierender sozialer Medien auf das Prinzip des Herdentriebs setzt: Der Idee des sogenannten Crowdbuying folgend, sollen möglichst viele potenzielle Käufer für ein Produkt generiert werden, um durch eine höhere Stückzahl den Preis zu drücken.

Der Kaufinteressent meldet sich auf der Internetseite von Crowd-o-moto an und konfiguriert seine Suchkriterien. Wenn der Benutzer nach den wesentlichen Kriterien Marke, Modell und Motorisierung unterschieden hat, gelangt er in eine Gruppe von Gleichgesinnten, die beispielsweise ebenfalls an dem Mercedes-Benz A-Klasse A 180 interessiert sind. Seit Mitte April haben sich rund 500 solcher User angemeldet.

Auf der anderen Seite der Plattform befindet sich der Händler, der mittels eines eigenen Zugangs dem Interessenten je nach Nachfrage ein Angebot legen kann. Zu den Anreizen zählen zum Beispiel Rabatte, 24-Stunden-Abholdienste, Verlängerungen der Garantie oder ein kostenloser Ölwechsel. Wiesenthal, Beyschlag, Gady, Kandl, Eisner, Mazda Rainer und Auto Stahl sind einige der insgesamt 23 auf der Plattform anbietenden Autohäuser. Dort wird auch der gesamte formale Kaufprozess abgewickelt: Nimmt der Käufer ein Offert an, verschickt Crowd-o-moto eine unverbindliche Reservierung, mit der binnen einer Woche das betreffende Modell beim Händler erworben werden kann.

Zahlreiche Investoren

Bis Ende des Jahres wollen Molzer und Stojanovic rund 1000 Verkäufe, sogenannte qualitative Leads, erreichen.

Pro vermitteltem und erfolgreich abgeschlossenem Geschäft erhalten sie eine marktübliche Provision, die unter zwei Prozent des Kaufpreises liegt und die sie als Marketingleistung bezeichnen. Die interne Marketingleistung erbringt indes der als Venture-Capitalist bekannte Martin Egger. Mit seinem Beratungsunternehmen Trend ist Egger mit fünf Prozent beteiligt. Weitere Investoren sind Hans Zavesky, Aufsichtsrat von Kapsch Business Com, der über seine Beratungsgesellschaft KSHZ fünf Prozent an Crowd-o-moto hält, und Georg Zeitler mit 13,5 Prozent.

Die übrigen 38,25 Prozent teilen sich die Geschäftsführer und Gründer Molzer und Stojanovic. Bisher sind laut den beiden Investitionen in der Höhe einer "mittleren sechsstelligen Summe" in das Start-up geflossen.

Wie viele "qualitative Leads" Crowd-o-moto bis dato erreichen konnte, wollen die beiden für sich behalten. Anfang 2016 wollen die beiden Entrepreneure für drei Monate zum Netzwerken nach Silicon Valley fliegen.

"Wir genießen diese Freiheit, die wir früher nicht hatten",sagt Stojanovic.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2015-07-22)